Mittwoch, 11. September 2013

Vertrauenskrise: Jeder dritte Kunde denkt über Bankenwechsel nach

Frankfurt am Main (ots) - "Der Wechsel allein ist das Beständige", sagte einst der Philosoph Arthur Schopenhauer. Das trifft heute insbesondere auf die Bankenbranche zu. Denn nach wie vor denkt ein hoher Prozentsatz der Kunden über einen Wechsel zu einem anderen Institut nach. 28 Prozent liebäugeln mit einer neuen Hauptbank. Zu diesem Ergebnis kommt die repräsentative Kundenbankstudie 2013 "Zurück in die Zukunft" der auf Finanzdienstleister spezialisierten Unternehmensberatung EUROGROUP CONSULTING. 1.250 Bankkunden wurden dafür zu ihren Erwartungen an ein Geldhaus befragt.

Im vergangenen Jahr spielten 29 Prozent der Befragten mit dem Gedanken, ihre Hauptbank zu tauschen. Damit verharrt die Wechselbereitschaft der Bankkunden auf einem hohen Niveau. Am höchsten ist der Prozentsatz der Wechselwilligen bei Geschäftsbanken: 36 Prozent der Kunden flirten mit einem neuen Geldhaus - genau so viel wie in 2012. Am stärksten gestiegen ist die Wechselbereitschaft von Direktbankkunden. So denken heute 32 Prozent der Direktbankkunden über einen Austausch ihres Instituts nach - vier Prozentpunkte mehr als 2012. Nur im Segment der Sparkassenkunden ist die Wechselbereitschaft von 30 auf 26 Prozent zurückgegangen.

Direkten Einfluss auf die Wechselbereitschaft hat die Höhe des Gehalts. Nur 23 Prozent der Kunden, die mit weniger als 1.000 Euro Haushaltsnettoeinkommen auskommen müssen, sind abwanderungswillig. Mit zunehmenden Einkommen steigt der Prozentsatz. So sind 50 Prozent der Kunden, die mehr als 5.000 Euro im Monat ausgeben können, offen für eine neue Bank.

Große Unterschiede gibt es auch im Bundesländer-Vergleich. So haben Saarländer das höchste Vertrauen in ihre Hausbank. Auf Platz zwei folgen die Einwohner von Rheinland-Pfalz. Das geringste Vertrauen haben die Bewohner von Mecklenburg-Vorpommern in ihr Institut. Nur unmerklich mehr haben die Berliner in ihre Geldhäuser (siehe Tabelle).

Ein wesentlicher Grund für die alarmierenden Zahlen ist das abnehmende Vertrauen in das eigene Bankinstitut. So bezeichnet aktuell nur jeder Dritte das Verhältnis zu seinem Bankberater als vertrauensvoll - 2012 waren es noch 42 Prozent. Dabei sind Vertrauen und die persönliche Beziehung zum Bankberater entscheidende Faktoren einer nachhaltigen Kundenbeziehung. Kunden, die das Verhältnis zu ihrem Berater als misstrauisch bezeichnen, sind besonders wechselwillig. Besonders eklatant ist der Vertrauensverlust von Direktbank-Kunden: Nur 21 Prozent der Befragten bezeichnen das Verhältnis zu ihrer Bank aktuell als vertrauensvoll - 27 Prozentpunkte weniger als noch 2012.

"Die Vertrauenskrise ist entstanden, weil viele Banken den persönlichen Kontakt mit ihren Kunden grob vernachlässigen", sagt Studienleiter Heinrich Piermeier, Partner von EUROGROUP CONSULTING. "Der Kunde steht nicht mehr im Mittelpunkt des Interesses, seine Wünsche werden von den Instituten nicht wahrgenommen und berücksichtigt". Um die Misere zu beheben, rät Piermeier zu einem vertrauensorientierten Geschäftsmodell. "Damit können die Banken wieder den emotionalen Zugang zu den Kunden erlangen." Die Philosophie und der strategische Ansatz müssen sich im konkreten Handeln abbilden.

Tabelle: Wie würden Sie das Verhältnis zu Ihrer Bank bezeichnen?

   Vertrauens-Ranking nach Bundesland:

   1   Saarland                 1,70
   2   Rheinland-Pfalz          1,73
   3   Bremen                   1,78
   4   Hamburg                  1,86
   5   Niedersachsen            1,92
   6   Brandenburg              1,93
   7   Schleswig-Holstein       1,93
   8   Bayern                   1,94
   9   Thüringen                2,00
  10   Nordrhein-Westfalen      2,05
  11   Baden-Württemberg        2,10
  12   Sachsen-Anhalt           2,11
  13   Hessen                   2,12
  14   Sachsen                  2,15
  15   Berlin                   2,18
  16   Mecklenburg-Vorpommern   2,30

  Legende:
  1 = vertrauensvoll, 2 = geschäftsmäßig, 3 = neutral/ distanziert/
misstrauisch

Eine Ländergrafik können Sie unter karim.schaefer@faktenkontor.de erhalten.

Zur Studie:

Die repräsentative Kundenbankstudie 2013 "Zurück in die Zukunft" wurde im Auftrag von EUROGROUP CONSULTING durchgeführt. Im zweiten Quartal 2013 wurden insgesamt 1.250 Bankkunden ab 18 Jahren mit Hauptwohnsitz in Deutschland befragt. Zur Wechselbereitschaft wurde die Frage gestellt: "Könnten Sie sich vorstellen, innerhalb der nächsten 12 Monate Ihre Hauptbank zu wechseln? Mehr Informationen zur Studie und Lösungswege für Banken und Sparkassen erhalten Sie unter www.eurogroupconsulting.de.

Mittwoch, 4. September 2013

Lebensversicherer: Nettotarife statt Staatshilfe nutzen

Berlin (ots) - Lebensversicherer sollten Nettotarife ohne Vertriebsprovision anbieten und damit bei den Kosten für den Vertrieb sparen statt nach staatlicher Hilfe zu rufen. Das sagt Erwin Bengler, Experte für Lebensversicherungen bei der Honorarberaterbank quirin bank AG. Auf diese Weise müssten Ausschüttungen aus Bewertungsreserven nicht verzögert oder verringert werden und kämen dem Verbraucher zugute.

Am 2. September 2013 musste sich auch der Finanzausschuss des Bundestages mit der immer schwieriger werdenden Situation der Lebensversicherungen beschäftigen. Weil die Zinsen so niedrig sind haben die Lebensversicherer Schwierigkeiten, ihren Kunden die prognostizierten Überschussbeteiligungen auszuzahlen. Die Versicherungsunternehmen baten daher die Aufsichtsbehörden, die Bewertungsreserven nicht in vollem Umfang an die Versicherten ausschütten zu müssen. Damit bliebe mehr Geld im System und die niedrigen Zinsen ließen sich länger aushalten.

"Hier ruft eine Branche nach staatlicher Unterstützung, die ihre eigenen Hausaufgaben noch nicht erledigt hat", sagt Honorarberater Erwin Bengler. Allein für den Vertrieb der Lebensversicherungen würden in der Regel zwischen drei und fünf Prozent der Sparbeiträge aufgewendet. "Diese Kosten lassen sich deutlich reduzieren, wenn die Versicherungen auf Nettotarife umstellen, also keine Vertriebsprovisionen einrechnen", so Bengler. "Das vergrößert den Spielraum, auch mit niedrigen Zinsen klarzukommen."

Für Kunden kostenmäßig transparente Nettotarife werden von einigen Versicherungen für Honorarberater angeboten, haben sich aber in der Breite noch nicht durchgesetzt. "Natürlich ist es für einen Vertrieb interessanter, eine hohe einmalige Abschlussprovision zu verdienen, wenn er dem Kunden eine Lebensversicherung verkauft", so Bengler. Bei einer monatlichen Sparrate des Kunden von 100 Euro kommen über 20 Jahre 24.000 Euro an Sparbeitrag zusammen. Fünf Prozent davon, also 1.200 Euro, fließen bereits zu Beginn der Vertragslaufzeit an den Vertrieb. Würde dieses Geld als Sparbeitrag in die Versicherung fließen, ließe sich ein deutlich besseres Ergebnis erzielen. "Noch mehr Abschlussprovisonen fließen bei dynamisierten Verträgen, hier greift der Zinseszins-Effekt zum Vorteil des Vertriebs und zum Nachteil des Kunden. Ganz anders verhält es sich bei Nettotarifen: Während bei den herkömmlichen Tarifen von der Sparleistung des Kunden die Vertriebsvergütung abgezogen werden muss, fließen bei Nettotarifen die Einzahlungen in vollem Umfang in die Versicherung des Kunden", erklärt Erwin Bengler.

Wie stark die Versicherungen dem Provisionsvertrieb verhaftet sind, zeigt auch ein weiterer Hilferuf, die Abschlussprovisionen gesetzlich auf 2 Prozent zu deckeln. "Offensichtlich befürchten die in hartem Wettbewerb stehenden Versicherungsunternehmen, dass bei einer spürbaren Senkung der Abschlussprovisionen große Vertriebsorganisationen höher provisionierte Produkte des Wettbewerbers verkaufen. Anscheinend traut sich kein Versicherungsunternehmen, diesen ersten, riskanten Schritt zu machen und ruft deshalb nach dem Gesetzgeber", mutmaßt Bengler. Hier zeige sich der Vorteil der Honorarberatung, denn bei dieser vom Produktverkauf und von Vertriebsprovisionen unabhängigen Beratung werde nur einmal ein transparentes Honorar fällig. "Honorarberater nutzen Nettotarife, die dem Kunden zugute kommen. Versicherer könnten dadurch ihre Kosten senken und trotz der niedrigen Marktzinsen ihre Versprechen auch ohne Tricks mit den Bewertungsreserven halten", sagt Bengler.