Dienstag, 30. Juli 2013

Loyalitätskrise: Deutsche Banken müssen mehr für ihre Kunden tun

München (ots) - FICO, ein führender Anbieter von prädiktiver Analytik und Lösungen für das Decision Management, und die European Financial Marketing Association (Efma), geben die Ergebnisse des achten "European Credit Risk Survey" über notleidende Kredite und die Kreditversorgung für Unternehmen und Privatleute bekannt. Neben den aktuellen Entwicklungen wurden die Teilnehmer dieses Mal auch zum Verhältnis von Banken zu Ihren Kunden befragt. In der im Mai und Juni 2013 durchgeführten Befragung prognostizierten 41 Prozent der befragten Bankexperten, dass Bankkunden ihre Spareinlagen zu anderen Instituten transferieren werden. Für die Girokonten gilt dies in ähnlichem Maße (42%). Die Werte aus dem deutschsprachigen Markt liegen hier deutlich über dem europäischen Durchschnitt.

Gerade einmal 14 Prozent der Befragten sehen europaweit die Bereitschaft der Verbraucher, bei ihrer aktuellen Bank ein neues Konto zu eröffnen und nicht einmal jeder Fünfte glaubt (18%), dass Bankkunden ihren Freunden eine Kontoeröffnung bei ihrem aktuellen Institut empfehlen würden. "Unzufriedene Kunden sind eher bereit, ihre Konten und Verträge zu anderen Instituten zu verlagern", sagt Phillip Sertel, Senior Director Central & Eastern Europe and the Middle East bei FICO. "Deswegen interessieren sich derzeit auch so viele Banken für Messmethoden wie den Net Promoter Score. Denn mit diesem Tool können sie herausfinden, ob ihre Kunden dauerhaft unzufrieden sind, und entsprechend reagieren. Die Banken müssen in jedem Fall beobachten, wie es um die Kundenzufriedenheit bestellt ist."

Bankkunden fordern mehr Flexibilität
Im Kreditgeschäft verlangen die Kunden mehr Flexibilität von den Banken: Zwei von drei Risikomanagern sagten, dass immer mehr Kreditnehmer dazu übergehen könnten, Änderungen an ihrem Darlehensvertrag anzufragen. Und mehr als die Hälfte ist der Meinung, dass Bankkunden in Europa immer offener dafür werden, sich Fremdkapital mit alternativen Mitteln zum klassischen Kredit beschaffen. Im deutschsprachigen Markt liegen beide Werte bei 50 Prozent. Kleine und mittelständische Unternehmen dürften es nach Einschätzung der befragten Risikomanager künftig wieder etwas schwerer haben, sich mit Krediten zu versorgen. 46 Prozent der Befragten sehen einen wachsenden Kreditbedarf, aber nur 35 Prozent sehen eine gesteigerte Bereitstellung von Krediten - im Gegensatz zum deutschsprachigen Markt, wo man optimistisch ist, den Bedarf decken zu können. Auch die europäischen Verbraucher werden voraussichtlich unter einem Versorgungsengpass leiden, allerdings fällt dieser geringer aus: 39 Prozent prognostizieren einen Anstieg der Kreditnachfrage, während lediglich 33 Prozent glauben, dass die Banken das bereitgestellte Kreditvolumen erhöhen werden.

Das Risiko von Zahlungsschwierigkeiten und Kreditausfällen bewerten die Experten zwar etwas niedriger als in vorherigen Umfragen, insgesamt ist es aber immer noch sehr hoch: Mehr als 40 Prozent sehen Zuwächse bei Hypothekendarlehen und Überziehungskrediten: Bei Geschäftskrediten für Kleinunternehmer gilt dies sogar für mehr als die Hälfte (52%). "Die Schätzungen variieren für die verschiedenen Märkte", sagt EFMA-Generalsekretär Patrick Desmarès. "Insgesamt bewegen sich die Kreditnachfrage und das -angebot in vielen Ländern auf einem niedrigen Niveau."

An der Umfrage nahmen zwischen Mai und Juni 2013 europaweit mehr als 80 Risikomanager von 72 Kreditinstituten teil. Weitere Informationen sind im Internet unter folgendem Link erhältlich: www.efma.com/index.php/resources/studies/detail/EN/1/507/1-XH045.

Montag, 29. Juli 2013

Kommunale Blitzbefragung der KfW: leicht optimistischer Ausblick

Frankfurt (ots) - Die Gesamtfinanzierungssituation der Kommunen hat sich gegenüber dem zweiten Halbjahr 2012 verbessert: Die Hälfte der Kommunen beurteilen diese als befriedigend oder besser. Das ist das Ergebnis der neuesten KfW Blitzbefragung Kommunen, bei der rund 120 kommunalen Finanzexperten ihre Einschätzung lieferten. "Erfreulich ist auch der noch optimistischere Ausblick für die zweite Jahreshälfte 2013. Hierbei dürfte die prognostizierte Verbesserung der Steuereinnahmesituation eine wesentliche Rolle spielen. Allerdings nimmt die Diskrepanz zwischen den Kommunen weiterhin zu. Dies darf trotz insgesamt positiverer Entwicklung nicht vernachlässigt werden", sagt Chefvolkswirt Dr. Jörg Zeuner. Kommunen, die die aktuelle Finanzierungssituation als mangelhaft bewerten, schauen deutlich negativer in die Zukunft als jene, die die Finanzierungssituation als gut bewerten.

Die kommunale Investitionstätigkeit im Jahr 2013 wird von den Experten als stabil eingeschätzt. Der Ausblick auf die nächsten sechs Monate ist dabei leicht optimistischer als noch in der letzten Blitzbefragung. "Damit ist die Investitionstätigkeit aber voraussichtlich immer noch zu niedrig, um den bestehenden Investitionsrückstand merklich abzubauen", so die Einschätzung von Zeuner. Für die Investitionskreditnachfrage wird in der zweiten Jahreshälfte im Vergleich zur derzeit eher ausgeglichenen Situation eine leichte Belebung erwartet. 22% der Experten rechnen mit einer hohen, 15% mit einer geringen Nachfrage. Die Nachfrage nach Kassenkrediten befindet sich weiterhin auf einem zu hohem Niveau, auch wenn die Wachstumsraten geringer werden. Damit bleiben deutliche Refinanzierungsrisiken, sobald das Zinsniveau steigt.

Die kommunalen Experten bewerten die aktuellen Kreditaufnahmebedingungen nach wie vor positiv, auch wenn sich auf Sicht von sechs Monaten die Einschätzung leicht verschlechtert. Die Kommunen sichern sich daher die momentan günstigen Zinssätze mit längeren Laufzeiten ihrer Investitionskredite: Fast die Hälfte der Befragten (45%) rechnet mit einem steigenden Anteil der Investitionskredite mit Laufzeiten von mehr als 10 Jahren. An alternativen Finanzierungsinstrumenten besteht weiterhin nur ein eher geringes Interesse.

Freitag, 26. Juli 2013

61 Prozent der Deutschen wollen reine Internetbanken

München (ots) - Deutsche Kreditinstitute geraten im Filialvertrieb immer stärker unter Druck. Sechs von zehn Deutschen wünschen sich eine Online-Filiale, die das komplette Bankangebot abdeckt. Ebenso groß fällt die Zustimmung zum Self-Service an öffentlich zugänglichen Terminals aus. Jeder vierte Verbraucher erklärt zudem, dass digitale Zahlungsdienste die Filialen künftig ganz überflüssig machen. Das sind die Ergebnisse einer bevölkerungs-repräsentativen Umfrage zur Zukunft der Banken. Die Unternehmensberatung Q_PERIOR befragte dafür 1.000 Bundesbürger.

Die Verbraucher bemängeln vor allem, dass viele Banken Online- und Offline-Angebote nur schlecht miteinander verknüpfen. Sieben von zehn Bundesbürgern raten den Instituten beispielsweise, in der Beratung noch stärker auf individuelle Bedürfnisse einzugehen und diese Filial-Leistung auch online aktiver anzubieten. Eine Möglichkeit dafür stellen persönliche Finanzchecks dar. Fast 60 Prozent der Deutschen wünschen sich, dass die Banken solche Instrumente stärker nutzen, um mit konkreten Leistungsangeboten auf die Kunden zuzugehen. Jeder Dritte kann sich sogar vorstellen, in der Filiale auch bankferne Dienste in Anspruch zu nehmen - mit einem Bankberater als Ansprechpartner in allen Lebenslagen.

"Den Filialbanken läuft die Zeit davon, um neue Serviceangebote zu entwickeln oder bestehende zu verbessern", sagt Thomas Vogt, Partner bei Q_PERIOR und Experte für Kundenorientierung in der Finanzbranche. "Aktuell nehmen immer mehr Kunden wahr, dass sich die Angebote online oder in der Filiale kaum noch unterscheiden. Wer sich für ein bestimmtes Finanzprodukt interessiert, kann sich zudem darauf verlassen, im Netz ein günstigeres Angebot zu finden. Neu ist jedoch, dass der Trend zum Self-Service jetzt auch Produkte zu erfassen scheint, die bislang als besonders beratungsintensiv gelten."

38 Prozent der Deutschen erklären sich zum Beispiel bereit, ihre Altersvorsorge mit Produkten aus einem Online-Portfolio zu ergänzen, wie Riester-Renten oder Lebensversicherungen. Jeder Vierte zeigt Interesse daran, Immobilienkredite im Internet abzuschließen - immerhin ein Finanzprodukt, das mit einem Volumen von durchschnittlich 160.000 Euro zu Buche schlägt. Dazu Thomas Vogt: "Der Geldwert eines Finanzprodukts entfällt zunehmend als Hemmschwelle, die den Kunden im Zweifelsfall doch in die Filiale treibt. Quasi im Vorbeigehen gemachte Pauschalangebote statt individuell zugeschnittene Offerten dürften diesen Trend künftig sogar noch verstärken."